Chronik

 

Chronik der Kleinkaliber Schützengilde Bornheim 1926 e. V.

1926 – 2001

Im Sommer 1926 schlossen sich einige Männer in Bornheim zusammen, um einen Schießsportverein zu gründen.
Es war Mitte der zwanziger Jahre, kurz nach dem ersten Weltkrieg und den draus resultierenden Folgen kein leichtes Vorhaben. Am 01. Oktober 1926 kamen Initiatoren in der Gaststätte „Jägerhof“ zusammen und beschlossen die Gründung des Vereins.

An dieser Gründungsversammlung nahmen u.a. teil:

Gastwirt Wilhelm Fleischer, Förster Heinrich Schmitt, Sanitätsrat Dr. Andreas Schäfer, Tierarzt Dr. Nikolaus Schmidt, Lehrer Batzel, Heinrich Nettokoven, Wilhelm Schmitt sowie die Gebrüder Gottfried, Jakob, Peter und Cornelius Breuer.

Die Versammlung wählte Wilhelm Fleischer zum Vorsitzenden und unter seiner Leitung wurde eine Satzung erarbeitet und der Beschluss gefasst, den Verein dem „Kartell für das Deutsche Jagd – und Sportschiessen“ anzuschliessen.

Anfangs standen zwei Gewehre zur Verfügung und der Schiessbetrieb wurde mit Zimmermunition im Saal der Gaststätte „Jägerhof“ aufgenommen. Der Zuspruch war von Beginn an sehr rege, so dass nach kurzer Zeit ca. 60 Mitglieder der Gilde angehörten. Die provisoirischen Schiessstände im „Eichkamp“ wurden zu klein und man hielt Ausschau nach einem geeigneten Ort. Im Jahre 1927 fand man diesen mit der Sandgrube Dederichs oberhalb Bornheims (4 Fichten).

Mit der Inbetriebnahme der neuen Schiessstätte, die 10 Schiessbahnen für Kleinkaliber umfasste, steigerte sich der Trainings – und Wettkampfbetrieb und die ersten Erfolge auf regionaler Ebene wurden errungen.

Kurz vor Ende des Jahres 1927 gab Wilhelm Fleischer die Vereinführung an Herrn Batzel ab. Im Jahr 1929 übernahm Gottfried Breuer die Vereinsführung, die er bis auf eine neunmonatige Unterbrechung, in der sein Bruder Cornelius die Geschicke der Gilde lenkte, bis 1945 inne hatte.

Anfang der dreissiger Jahre musste die Schiessstätte oberhalb Bornheims geräumt werden und man fand ein neues Domizil in der Kiesgrube am Sechtemer Weg.

Die schiesssportlichen Erfolge bis zu den Gaumeisterschaften erhöhten den Bekannheitsgrad der Gilde weit über die Grenzen Bornheims hinaus.

Mit der Auflösung des „Kartells für das Deutsche Jagd – und Sportschiessen“ im Jahre 1933, wurde die Gilde automatisch dem Deutschen Schützenverband angeschlossen. Am Erfolg und stetigen Wachstum des Vereins änderte dies jedoch nichts, so dass der Vorstand nun bestrebt war eine Schiessstätte als Eigentum des Vereins zu erwerben. 1934 konnten Gottfried Breuer und Norbert Thelen im Auftrage des Vereins die hinter der bisherigen Schiessstätte am Sechtemer Weg gelegen Kiesgrube der „Diergardt`schen“ Verwaltung erwerben. Nun verfügte man über ein 377 qm grossen Gelände, auf dem eine dauerhafte Schiessstandanlage errichten konnte, so dass die Zeit der Provisorien beendet war. Bereits im Sommer 1935 konnte die 10 Schiessbahnen umfassende Anlage, die durch tatkräftige Unterstützung der Mitglieder erstellt worden war, in Betrieb genommen werden.

Der 2. Weltkrieg beendete den Betrieb des Vereins, die meisten Mitglieder waren als Kriegsteilnehmer lange Zeit fern der Heimat und die Standanlage wurde 1945 durch die britische Besatzungsmacht beschlagnahmt.

Erst im Jahre 1955 sorgten Wilhelm Schmitt und Heinrich Strunk für das Aufleben der Gilde, so dass am 22. Oktober 1955 die formelle Wiedergründungsversammlung im Gasthaus „Jägerhof“ den Neuaufbau einleitete.

Wilhelm Schmitt wurde zum Vorsitzenden gewählt und führte den Verein bis 1961. Das Schiessstandgelände als Eigentum des Vereins musste zurück gekauft werden. Der allgemeine Kontrollausschuss hatte bis zu seiner Auflösung nicht über das gesperrte Vereinsvermögen entschieden, so dass der Besitz an das Land NRW übergegangen war.

Nach grundbuchlicher Eintragung und der Wiederaufnahme im Vereinsregister beim Amtsgericht in Bonn, begannen die Mitglieder mit dem Aufbau des neuen Schiessstandes und schon im Jahre 1956 konnte das erste Stiftungsfest der neuen Ära auf der Anlage gefeiert werden.

Der Verein war nun dem Rheinischem und Deutschen Schützenbund angeschlossen, der 1951 unter dem Protektorat von Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss gegründet worden war.

Nun standen den Sportschützen sechs Kleinkaliberbahnen zur Verfügung, denen 1960 noch 6 Luftgewehrbahnen folgten. Die Zahl der Mitglieder wuchs schnell auf ca. 70 an und auch die Jugend fühlte sich durch das Luftgewehrschiessen erweiterte Angebot angesprochen.

Beim traditionellen Stiftungsfest 1959 wurde dann erstmals um die Würde des Gildemeisters gekämpft, eine Tradition, die sich ohne Unterbrechung bis zum heutigen Tag fortsetzt. Hierbei kam es in nunmehr 40 Jahren zu manch eigenartiger Begebenheit die noch heute in vielen Erzählungen zum Schmunzeln anregt, so zum Beispiel 1973, als der Vogel bereits beim ersten Schuss auf den Rumpf zum Entsetzen der Schützen von der Stange fiel.

Mit Johann Joisten und Peter Schmitz gelang es bisher erst zwei Kanditaten dreimal die Meisterwürde zu erlangen. Das Verlangen nach der Gildemeisterwürde ist auch heute noch ungebrochen, so ereignete es sich im Jubiläumsjahr 2001, dass ein erfahrener Schütze im Eifer auf den Vogel anlegte ohne das Fehlen des Schlosses im Gewehr zu bemerken.

Der Erfolg der Schützinnen und Schützen auf Kreis – und Bezirksebene war nach kurzer Zeit ein Garant, den Ruf der Gilde über die Ortsgrenzen hinaus zu manifestieren.

Bei der Jahreshauptversammlung 1961 trat Peter Schmitt die Nachfolge seines Vaters als 1. Vorsitzender an und blieb bis Dezember 1965 im Amt.

Der nun ständig steigende Schiessbetrieb erforderte die Modernisierung der Anlage und die Mitglieder erstellten in Eigenleistung die neue Deckung zur Aufnahme der automatischen Scheibenanlage.

Im Dezember 1965 wählten die Mitglieder Martin Gütelhöfer zum neuen Vorsitzenden. Unter seiner Führung feierte die Gilde im Sommer 1966 ihr 40 jähriges Jubiläum mit einem Festakt in der Aula der Johann-Wallraf-Schule. Das traditionelle Stiftungsfest am ersten Wochenende im Juli war bereits als „Kieskuhle Kirmes“ zum festen Bestandteil im Bornheimer Veranstaltungskalender geworden. Es endete 1959 immer mit dem Ausschiessen des Gildemeisters und dem deftigen Erbsensuppenessen.

Willi Fuhs löste im Jahre 1967 Martin Gütelhöfer als Vorsitzenden ab und führte die Gilde bis 1975. Während dieser Zeit wuchs die Mitgliederzahl auf 100 an, wobei die Jugendabteilung mit ca. 20 Personen einen grossen Anteil hatte. Die Jugendlichen und die Junioren der Gilde erzielten in der Zeit von 1965 – 1975 zahlreiche Erfolge in Einzel – und Mannschaftswettbewerben bis zu den Landesmeisterschaften und einzelne Schützen wurden zu regelmäßigen Kandidaten der Auswahlkader auf Kreis -, Bezirks – und Landesebene.

1971 wurde beim Stiftungsfest erstmals die Würde des Gildeprinzen geschossen. Die hierfür zur Verfügung stehende Ehrenkette wurde vom Ehrenvorsitzenden Wilhelm Schmitt gestiftet.

Von Oktober 1975 bis November 1984 führte dann Peter Schmitt wieder den Vorstand der Gilde. Diese Ära begann mit dem freudigem Ereignis des 50-jährigen Vereinsjubiläums, welches mit einem Festakt im grossen Saal des neuen Bornheimer Rathauses gefeiert wurde. Im Jubliäumsjahr 1976 erlitt der Verein einen herben Rückschlag. Die vereinseigene Schiessanlage entsprach nicht mehr den geltenden Sicherheitsbestimmungen, so dass die Aufsichtsbehörde eine grundlegende Erneuerung verlangte. Nach einer umfangreichen Planung und der Genehmigung von Zuschüssen durch die Kommune, Kreis und Land erfolgte der Umbau in Eigenleistung unter Führung von Peter Falkenstein und Josef Esch.

Es entstanden 14 Schiessbahnen für das Kleinkaliberschiessen auf eine Distanz von 50 m und darin integriert eine Luftgewehranlage auf 10 m Entfernung.

Die Bauzeit betrug ca. 15 Monate und der Schiessbetrieb wurde dadurch erheblich eingeschränkt. Nach Fertigstellung der Anlage wurde noch die Einzäunung des Geländes vorgenommen um die Sicherheit zu garantieren.

Im Jahre 1980 folgte mit dem Neubau der Toilettenanlage ein weiteres Bauprojekt, notwendig um die traditionellen Festivitäten und Meisterschaften auf der Anlage durchzuführen. Der zügigen Planung und der nochmals genehmigten Bezuschussung folgte die Realisierung dieses Projektes, wobei die Mitglieder Johann Joisten, Peter Schmitz und der Freund der Gilde, Norbert Groß, erheblichen Anteil hatten.

Diese Umstände zwischen 1976 und 1981 führten zu einem Mitgliederschwund des Vereins, wobei die Jugendarbeit während dieser Zeit fast komplett wegfiel.

Im April 1981 erlebten ca. 15 Mitglieder teilweise in Begleitung ihrer Partner nochmals einen Höhepunkt in der bisherigen schiesssportlichen Laufbahn.

Durch den von Heinrich Mohr anlässlich einer Schulstudienfahrt hergestellten Kontakt zu einer Schützengesellschaft in Narbone/Südfrankreich begab sich die Delegation Ostern 1981 auf die Reise zu einem überregionalen Schiessturnier in das Department Languedoc-Roussion.

Die zehntägige Reise war nicht nur sportlich ein Erfolg, die Teilnehmer zehrten von den Reiseeindrücken noch lange Zeit, so dass 1987 auf Initiative von Heinrich Mohr und Hans Josef Dumm diese Reise mit teilweise anderen Teilnehmern ein zweites Mal durchgeführt wurde.

Der Wettbewerb mit anderen Sportarten vor Ort, wie das erweiterte Sportstättenangebot mit Schwimmbad, Tennisanlage und Dreifachsporthalle führten bis Mitte der achtziger Jahre zu einem weiteren Mitgliederschwund, so dass Ende 1984 noch ca. 50 Personen beim Sportfachverband gemeldet waren.

Bei den Vorstandswahlen im November 1984 stellte sich Peter Schmitt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu Wahl. Mit der Wahl von Günter Kuhl / 1 Vorsitzender und Friedel Nettekoven / 2 Vorsitzender wurden Vertreter der Jugendgeneration der 70er Jahre an die Spitze des Vereins gewählt.

Sie hatten zur Unterstützung mit Toni Botz, Hans-Josef Dumm, Heinrich Mohr und Willi Schmitz ein bereits erfahrenes Team zur Seite. Desweiteren waren im Beirat langjährige Mitglieder die eine Kontinuität in der Vereinsführung gewährleisten. Der Vorstand blieb in dieser Konstellation bis Februar 1999, über 5 Wahlperioden, bestehen. Dies war sicherlich Garant für die erfolgreiche Arbeit, die mit der weiteren Attraktivierung der Schiessstandanlage und der daraus resultierenden Schaffung einer gesunden Mitgliederstruktur zu begründen ist.

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung 1984 übergab Josef Esch ein fertiges Konzept für die Errichtung eines Pistolenstandes an den neuen Vorsitzenden, mit der Bitte, dieses Ziel anzuvisieren. Im Vorstand war man geschlossen der Meinung dieses Projekt zu realisieren, wobei die Beschaffung der notwendigen Zuschüsse sich schwieriger als bei den vorherigen Bauprojekten darstellte.

Wie bereits den realisierten Projekten war Winand Flohr von der Stadtverwaltung Bornheim der bewährte Helfer bei der Erstellung des Finanzierungsplanes und damit verbundenen Beantragungen von entsprechenden Zuschüssen. Alles schien an der fehlenden Zusage des Landes NRW zu scheitern, doch ein glückliches Zusammentreffen mit den Entscheidungsträgern auf Landesebene Ende 1986, erbrachte wider Erwarten die Bewilligung der Zuschüsse im April 1987. Im Mai 1987 war es wieder Winand Flohr, der im entscheidenden Moment einen wichtigen Kontakt herstellte. Durch die Schliessung des Kalksandsteinwerkes in Hersel kam die Gilde durch Übernahme des verbleibenden Restbestandes an Steinen zu einem entscheidenden Vorteil, der den Baubeginn noch 1987 ermöglichte.

Innerhalb von neun Monaten wurde unter Leitung von Josef Esch, teils in Eigenleistung, die Anlage erstellt. Hierbei gingen einige Mitglieder bis an ihre persönliche Belastungsgrenze und leisteten so einen entscheidenden Beitrag zum Fortbestand der Gilde.

Mit der Inbetriebnahme der Anlage kamen neue Mitglieder in den Verein und der Mitgliederbestand vervierfachte sich innerhalb von zehn Jahren auf ca. 200 Personen. Somit kann man heute von einer gesunden Struktur des Vereins sprechen, wenn auch der familiäre Charakter der verschworenen, kleinen Gemeinschaft verlorenging. Die ständig gewachsene Kostenbelastung zum Unterhalt eines eigenen Vereinsgeländes liess allerdings keine andere Wahl.

Auf dem sportlichen Sektor errangen die Schützen der Gilde auch wieder Erfolge, diesmal sogar bei Deutschen-, Europa- und Weltmeisterschaften.

Im Verlauf der neuniziger Jahre wurde dann noch die Hofeinfahrt befestigt, die Vorhalle als Windfang geschlossen und der mitlerweile viel zu beengt gewordene Aufenthaltsraum durch einen Neubau ersetzt. Da keinerlei Zuschüsse für diese Maßnahmen mehr zur Verfügung standen, wurde für dieses Projekt erstmals Kapital geliehen. Der entsprechende Gegenwert der Gesamtanlage und die gesunde Mitgliederstruktur waren hierbei Garant genug um ein Risiko fast auszuschliessen. Mit dem Anschluss des Geländes an das Energieversorgung – und Abwasserentsorgung der Kommune konnte 1999 die lange Bautätigkeit abgeschlossen werden.

Bei der Jahreshauptversammlung 1999 stellten sich lediglich Günter Kuhl als Vorsitzender und Heinrich Mohr als Jugendwart erneut zur Wahl. Die verbleibenden vier Resorts wurden neu besetzt und heute, kurz vor Ende der dreijährigen Amtszeit, kann man von einem fließenden Übergang sprechen und beruhigt das 75 jährige Jubiläum feiern.